Ironman Wiesbaden – Fight with the Devil

Es ist nicht das erste Mal, dass ich auf einen Wettkampf zurückblicke und mir überlegen muss, wie viel wohl möglich gewesen „wäre“. Um genau zu sein, waren es sogar zwei Wettkämpfe hintereinander. Nachdem ich meinen Bundesligastart in Düsseldorf aufgrund eines Radsturzes im Vorfeld absagen musste und eine Woche später in Altena bei einem kleinen Wettkampf einen ungefährdeten Sieg einfahren konnte, fing schon beim Römerman in Ladenburg das „Unglück“ an.

Zieleinlauf beim Römerman in Ladenburg
Zieleinlauf beim Römerman in Ladenburg

Um unsere Räder bei Temperaturen an die 35°C nicht die ganze Zeit mit vollem Luftdruck stehen zu lassen, wollte ich mit einem Bekannten über 1,5 h vor dem Wettkampf nochmal in die Wechselzone. Jedoch wurden wir von den Wettkampfrichtern nicht mehr hinein gelassen. Ich hatte leider versäumt, mein Rad vor dem Einchecken zumindest auf annehmbaren Druck zu bringen. So fühlte sich mein Rad, nach einem soliden Schwimmen, an wie ein Mountainbike. Ich formte den Wettkampf kurzfristig zur harten Trainingseinheit um und versuchte trotzdem noch das Beste aus dem Tag zu machen. Ich verlor auf dem Rad natürlich deutlich zur Spitze, dank guter Verpflegung konnte ich beim Laufen nochmal aufdrehen und hinter dem Sieger noch die zweitschnellste Laufzeit abliefern. Am Ende reichte es zumindest noch zu Platz 7. Als ich am nächsten Tag im Schatten den Luftdruck checkte, kam die Gewissheit: 3 Bar im Vorderreifen und 5 Bar im Hinterreifen verhinderten jede Chance auf eine bessere Platzierung.

Ironman Wiesbaden - Am Anstieg zur Platte
Ironman Wiesbaden – Am Anstieg zur Platte

In Wiesbaden sollte alles besser laufen. Mein Rad lief auch, wie es sollte, nur hakte es diesmal an anderen Stellen. Auch hier konnte ich wieder ein ordentliches Schwimmen absolvieren und kam mit ein paar anderen guten Radfahrern aus dem Wasser. Doch schon beim Aufstieg passierte das erste Unglück – meine hinter dem Sattel angebrachte Radflasche verabschiedete sich. Ohne meine Wasserflasche merkte ich bald, dass meine Gelflasche an diesem Morgen zu konzentriert für meinen Magen war und ich beschloss, auf die erste Verpflegungsstation nach gut 20 Kilometern zu warten. Dort schnappte ich mir eine Wasserflasche, doch keine zwei Kilometer später passierte der absolute Supergau: Ich war zu diesem Zeitpunkt kurz vor einer Kuppe gute 20 Meter hinter einer dreiköpfigen Gruppe, als mich zwei Motorräder überholten. Diese kamen aber nicht mehr (oder wollten nicht) vor der Abfahrt an den anderen 3 Fahrern vorbei. So musste ich in einer engen Abfahrt auch noch zwei Motorräder umkurven, wobei ich eine alles andere als optimale Fahrlinie wählen musste. Auf dieser Fahrlinie waren zudem auch ein paar fiese kleine Asphaltwellen und meine Flaschen sprangen in alle Richtungen vom Rad. Meine Mitstreiter waren natürlich inzwischen auch schon fast 100 Meter enteilt. Der Tag hatte gut begonnen, doch nun schien sich das Blatt komplett zu wenden.

Ironman Wiesbaden - Am Anstieg zur Platte
Ironman Wiesbaden – Am Anstieg zur Platte

Allein auf weiter Flur machte ich mich ohne jegliche Verpflegung auf in Richtung nächste Verpflegungsstation… doch es waren wieder weitere 20 Kilometer ohne Versorgung. Trotzdem schaffte ich es ohne allzu viel Zeitverlust zum Eingang der Platte, dem langen Anstieg in den Taunus. Nach 40 Kilometern betrug mein Abstand zur Spitze gerade mal 3 Minuten. An der Verpflegungsstation schnappte ich mir eine weitere Wasser- und eine Isoflasche. Doch leider ging es gerade so weiter. War es eine Unkonzentriertheit, eine Bodenwelle bei nicht komplett eingesteckter Flasche… ich bin mir nicht sicher, was letzten Endes alles dazu führte. Jedoch verlor ich kurz später wieder eine der beiden Flaschen – die Flasche hinter dem Sattel verabschiedete sich… es war natürlich die Isoflasche.

Ironman Wiesbaden - Zu Beginn der Laufstrecke
Ironman Wiesbaden – Zu Beginn der Laufstrecke

Am langen Anstieg fing die Unterversorgung an sich bemerkbar zu machen. Es fiel mir immer schwerer, mein Tempo aufrecht zu halten und wieder waren es über 20km bis zur nächsten Station. Ohne auch nur einen Athleten vor oder hinter mir zu sehen schob ich mich die nächsten Kilometer durch den Taunus bis zur ersehnten Verpflegungsstation. Hier bekam ich neben Wasser und Iso auch ein Gel zu fassen und ich versuchte noch zu retten, was zu retten war. Aus der Unterversorgung kam ich natürlich nicht mehr heraus.

Ironman Wiesbaden - Abgekämpft kurz vor der Finishline
Ironman Wiesbaden – Abgekämpft kurz vor der Finishline

Nach solch einem Radpart konnte natürlich auch der Laufpart nicht mehr reibungslos verlaufen. Ich hatte mit ziemlichen Rückenschmerzen vom vielen Rad fahren im Stand und Krampfansätzen zu kämpfen, kam aber zumindest energetisch mit 3 weiteren Gels einigermaßen über die Runden. So konnte ich den Halbmarathon in 1:20:34 h abschließen und als 21. Pro mit 4:22:36 h Gesamtzeit finishen. Ich war froh den Wettkampf überstanden zu haben, bei dem ich zugegebenermaßen nicht nur einmal ans Aufgeben dachte. Aber das war ich mir selbst und auch allen extra für mich Angereisten schuldig, dass ich den Wettkampf durchziehe. Es kam zumindest noch eine persönliche Bestzeit für die Strecke heraus und die Erkenntnis, dass die Form da ist. Jetzt heißt es nach vorne blicken und am Walchsee diese Form auch zu zeigen!

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